Im Dunkeln tappen – Wie öko-fair sind eigentlich unsere Schuhe?

Im Dunkeln tappen – Wie öko-fair sind eigentlich unsere Schuhe?

Von Alicia Baer

Schon seit jeher hatte die Schuh- und Lederbranche in Bezug auf die Einhaltung von Umweltkriterien keinen besonders guten Ruf. Pressenachrichten zu schlechten Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung rücken nun vermehrt die Branche in den Fokus der Öffentlichkeit.

Menschenrechts- und Umweltorganisationen schlagen weltweit Alarm. Die Missstände in der Schuhproduktion bleiben alarmierend. Was im Textilbereich schon seit geraumer Zeit bekannt ist, trifft ebenfalls auf Lederwaren und Schuhe zu. Das fand das Südwind Institut in Bonn heraus: Umweltverschmutzung und Arbeitsrechtsverletzungen stehen auf der Tagesordnung. Nach Angaben von Menschenrechtlern sind die Arbeitsbedingungen auch in mittel- und südosteuropäischen Schuhunternehmen immer noch besorgniserregend. Die Unternehmen stellen kaum Atemmasken oder Schutzkleidung gegen giftige Dämpfe, die in der Produktion entstehen, zur Verfügung. Dies führt zu Atemwegserkrankungen, Hautausschlägen und Krebs. Doch nicht nur die Produktionsbedingungen sind erschreckend, auch die niedrige Bezahlung ist skandalös.  

Change Your Shoes

Mit der 2018 gestarteten Kampagne „Change Your Shoes“ – zu Deutsch: „Zieh’ andere Schuhe an“ – wollen 18 internationale Organisationen auf diese Missstände aufmerksam machen und Arbeitsverbesserungen erzielen. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Clean Clothes Campaign, Labor Behind The Label UK, inkota e.V., Südwind e.V. und vielen mehr. Die Studie hat insbesondere die Situation von Arbeitern in süd- und osteuropäischen Ländern wie Albanien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Polen, Mazedonien und der Slowakei unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: extrem niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Laut „Change Your Shoes“ stehe die Bezeichnung „Made in Europe“ nicht unbedingt für faire Arbeitsbedingungen. Tatsächlich müsste der Lohn vier, bis fünfmal höher sein. Zudem sind Heimarbeiter meist nicht krankenversichert. Die Kampagne deckt ebenfalls auf, dass bei 85% der hergestellten Schuhe das Leder mit krebserregenden Chromsalzen bearbeitet wurde. „Change Your Shoes“ fordert Unternehmen und die Politik auf, bessere Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Löhne und Transparenz im Produktionsprozess zu schaffen. Ein weiteres Ziel besteht darin, dass chromgegerbtes Leder nicht mehr verarbeitet werden darf.  

Nicht nur auf Seiten der Produzenten bestehen immense Problem, auch die Modefirmen scheinen wenig Interesse an mehr Transparenz innerhalb ihrer Zuliefererketten zu haben. Südwind deckt ebenfalls auf, dass sich die Firmen kaum um die Zustände in ihren Zulieferfabriken kümmern. Für Verbraucher ist es daher sehr schwierig, sich für einen nachhaltig produzierten Schuh zu entscheiden. Die Marken informieren nicht genug und schenken der nachhaltigen Produktion wenig Aufmerksamkeit. Sogar in Markenschuhen fanden Wissenschaftler sowohl giftiges Chromat als auch Arsen, Blei und Quecksilber. Die Schadstoffbilanz fällt immer noch negativ aus. Alle anfallenden Stoffe sollten umgehend recycelbar sein.  

Leder aus artgerechter Tierhaltung?

Zeit Online berichtet, dass auch die Schuhindustrie ihren Teil zum negativen Kreislauf der Massentierhaltung beiträgt. Laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO werden im Jahr rund 1,8 Milliarden Quadratmeter Leder hergestellt, die Hälfte wandert in die Schuhindustrie. Die Mehrheit der Lederproduktion stammt aus China, Italien und Südamerika, wo die größten Rinderherden grasen. 65% der Lederhäute stammen vom Rind. Neben den Schadstoffen im Leder spielt also auch die Tierhaltung eine entscheidende Rolle in der Ökobilanz. Denn die Tiere leiden große Qualen in der Massentierhaltung. Ein weiterer Aspekt: Exotische Tiere wie Schlangen und Krokodile werden hauptsächlich für die Lederindustrie gezüchtet und getötet. Von artgerechter Haltung kann auch hier in den überfüllten Ställen keine Rede sein.

Doch was können Verbraucher tun, um aktiv zu werden? Beim alltäglichen Kauf können sie beispielsweise auf öko-faire Siegel achten wie „Naturleder IVN zertifiziert“. Dieses garantiert hohe Standards in Bezug auf ökologische Kriterien und artgerechte Haltung der Tiere. Der Verein Inkota e.V. gibt weitere Empfehlungen, wenn Verbraucher aktiv werden wollen: Erstens Schuhmarken und –händlern zu den Produktionsbedingungen ihrer Schuhe und Lederartikel befragen. Zweitens Informations- und Diskussionsabende zum Thema zu organisieren, beispielsweise mit Hilfe von Studien und Informationen der Kampagne „Change your Shoes“.

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