0% MÜLL, 100% BEFREIUNG

TEXT Antonia Erdtmann

 

Wer nicht mehr rauchen möchte, streicht Zigaretten – ansonsten läuft der Alltag wie bisher. „Zero Waste“ dagegen ist eine Life Changing Decision. Und trotzdem – oder gerade deshalb – absolut zu empfehlen.

Zero Waste heißt übersetzt erst einmal, klar, „null Müll“. Klingt gut, und irgendwie lifestylig, so wie auch „null Nikotin“ oder „ganz ohne tierische Produkte“ gut klingt. Doch völlige Müllvermeidung – was dieser Begriff zu Ende gedacht bedeutet – beinhaltet viel mehr, nämlich den Ausstieg aus dem alltäglichen Konsumkarussell. Wer sich für einen konsequenten Zero-Waste-Weg entscheidet, wird schnell sehen, dass der eigene Lifestyle inklusive einiger eingefahrener Verhaltensweisen umgekrempelt werden muss, und sich vermutlich fragen, ob das alles wirklich so nötig ist? Ein paar Antworten – und Motivationshilfen.

Ich entsorge ganz brav Plastik, Glas & Co. Reicht das nicht?
Pfandsystem, gelbe, blaue und braune Säcke für den Hausabfall oder, wie in München, spezielle Recycling-Container für Glas, Plastik & Co – das alles macht Deutschland zum Musterland in Sachen Mülltrennung. Leider ist getrennter Müll nicht gleich guter Müll: Wegen fehlerhafter Sortierung, Alu- Plastik-Kombis bei vielen Verpackungen und ungünstiger Materialeigenschaften kann nur ein Bruchteil des Weggeworfenen qualitativ gleichwertig recycelt werden (und auch das nur unter sehr hohem Energieaufwand). Nach einer Erhebung der Grünen haben die Deutschen mit 17,3 % die schlechteste Recycling-Quote Europas – gleichzeitig produzieren wir mit etwa 220 kg jährlich pro Kopf den meisten Müll auf dem Kontinent. Der größte Teil dieser gewaltigen Menge wird verbrannt. Die Alternative? Erst gar keinen Müll entstehen zu lassen. Das spart Ressourcen und schützt die Umwelt.

 

Foto: Michael Schwarzenberger auf Pixabay

 

Von Hundert auf Null ist schwierig. Ein paar Tipps für den Zero-Waste- Einstieg?
Gerade am Anfang ist tatsächlich ein wenig Aufwand erforderlich: Den Verbrauch von Tüten, Plastik und Alu entschieden zu reduzieren oder sogar zu eliminieren, geht nur, indem man seinen bisherigen Alltag komplett auf den Prüfstand stellt. Schließlich produziert so gut wie alles, was wir tun, Abfall – vom Lunch-Einkauf in der Mittagspause über die normalen Haushalts- Besorgungen bis zur Verpackung eines Geburtstagsgeschenks. Ein erster Schritt könnte der Beschluss sein, nie – wirklich nie – die Wohnung zu verlassen, ohne eine Papier- und eine Plastiktüte sowie einen Tragebeutel für etwaige Spontankäufe aller Art, dabeizuhaben. Am besten diese Ausrüstung direkt neben die Wohnungstür hängen! Thermobecher für den Coffee to go, Tupperware und Besteck für den Mittags-Imbiss und Transportgefäße fürs Unverpackt-Shopping sind Tools, die man sich im zweiten Step anschaffen sollte.                

Tipp: Gebrauchte, gereinigte Schraubgläser für Saucen, Gemüse, Aufstriche etc. kosten nichts und sehen meist cooler aus als Plastikbehälter. Und: Bei Eltern, Großeltern oder auf Nachbarschaftsflohmärkten kann man oft stolze Mengen an Tupper-Produkten entdecken – im Design vielleicht nicht ganz vorn, aber dafür extrem günstig und nachhaltiger als neu gekaufte.

 

Verdirbt das nicht den Spaß am Einkaufen oder Essen und Trinken unterwegs?
Wie gesagt, eine gewisse Vorarbeit ist nötig. Begibt man sich dann entsprechend ausgerüstet (und mental aufgestellt) auf Zero-Waste-Shopping- Tour, merkt man sofort die Unterschiede – und wie gut sich diese anfühlen. Das fängt schon bei den kleinsten Dingen an, wie zum Beispiel sich an der Supermarktkasse keinen Kassenzettel ausdrucken zu lassen oder beim Bäcker den mitgebrachten Beutel über die Theke zu reichen. Später wird man vielleicht tatsächlich mal versuchen, sein eigenes Brot, die eigene Hafermilch, den eigenen Aufstrich herzustellen, und merken, wie befriedigend solche traditionellen Verfahren sind, ob sie nun DIY heißen oder einfach wie bei Großmutter… Positives Feedback erfährt man auch von anderen:
Verkäufer/innen sind von den unzähligen Verpackungen, Beuteln und Plastikfolien an ihrem Arbeitsplatz inzwischen so genervt, dass sie individuelles Engagement meist sehr begrüßen.

 

Foto: Pixabay

 

Lässt sich Zero Waste in einer Großstadt wie München überhaupt umsetzen?
Ja, auch hier in München gibt es eine – wachsende – Anzahl von Adressen, die diesen Lifestyle unterstützen. Etliche Wochenmärkte, nachhaltige Supermärkte und Second-Hand Shops bereichern unsere Stadt, wir müssen nur genauer hinschauen. Buy Good Stuff hat eine Übersicht von Läden erstellt, bei denen ihr sicher sein könnt, dass ihr müllfrei einkauft.

 

Ohne-Laden und Plastikfreie Zone
Verpackungsfreies Einkaufen benötigte Vorbereitung und sollte vorab geplant werden. Das Wichtigste zuerst: “Ohne” bedeutet: hier gibt es keine Verpackungen . Das heißt, man muss seine eigenen Behälter mitbringen (vor Ort werden auch verschiedene Behältnisse zum Kauf und auch Verleih angeboten), wie zum Beispiel Brotzeitdosen, Schraubgläser oder eine Einkaufstasche. Bezahlt wird mit einem Wiege-System das heißt, man zahlt nur das Gewicht der Ware. Die Ohne-Läden haben ein ausgewähltes Sortiment und vertreiben nicht die klassischen Supermarktwaren. Hier gibt es beispielsweise krummes Obst und Gemüse, trockene Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Cerealien, Tee u.v.m. aber auch Essig und Öle sowie Spirituosen. Auch Drogerie-Artikel wie Seifen, Waschmittel, Beauty-Produkte werden hier verpackungslos verkauft:

Ohne-Laden – Schellingstraße 42, Maxvorstadt und Rosenheimerstraße 85, Ramersdorf-Perlach
Plastikfreie Zone – Schloßstraße 7, Au-Haidhausen

 

Re-Cup/Bowl                                                                                                                                            

„Return. Reuse. Recycle.“ ist die Idee hinter dem RE-System. Beim RECUP- System erhält man seinen Kaffee in einen Hartplastik- Becher, welcher mit Pfand gekauft wird. Ist der Becher leer, darf man ihn entweder behalten und immer wieder verwenden, oder er wird zurück gegeben und bekommt sein Pfandgeld wieder. Inzwischen gibt es auch Pfandschalen fürs Take away Essen. Im Univiertel und in der Nähe des Sendlinger Tors sind die Rebowl- Partner:
Ida’s Milchladen, Mutter Erde, Siggis, Orange Box, Aloha Poke

 

„Einmal ohne, bitte!“
Die gleichnamige Kampagne 
„Einmal ohne, bitte!“ ist eine Kampagne, die mit Aufklebern deutlich machen, dass hier verpackungsfrei eingekauft werden kann. Die Buttons sind von Außen sichtbar und zum Beispiel bei den Hofpfistereien, der Metzgerei Vinzenzmurr, dem Tageslokal Kemmlers aber auch Supermärkten wie Basic oder VollCorner Biomarkt, vertreten.

 

foodsharing
Foodsharing ist eine internationale Initiative, die sich gegen die Lebensmittelverschwendung engagiert, indem sie Einzelpersonen, die unnötiges Wegwerfen vermeiden wollen, miteinander vernetzt. Bei so genannten Fair-Teilern hat man die Möglichkeit, Lebensmittel abzugeben, zu tauschen oder zu holen. In München befinden sich derzeit drei Fair-Teiler:
Fair-Teiler Kuglerstraße 2 – Haidhausen
Fair-Teiler Dachauerstraße 114 – Neuhausen
Fair-Teiler Schwanthalerstraße 80 – Schwanthalerhöhe

 

Too Good To Go – App
Überschüssiges Essen in gastronomischen Betrieben zählt zur Tagesordnung. Über die App erhält man das unverkaufte Essen in einer sogenannten „Wundertüte“. Too Good To Go ist kein Lieferdienst, die Mahlzeiten müssen selbst abgeholt werden. Die Preise sind dafür stark reduziert, schon für 2 Euro kann man hier eine komplette Mahlzeit bekommen.

 

Siebenmachen – Galerieladen
Die Siebenmachen Galerie ist ein Laden mit Regionalen und von Hand hergestellten Produkten wie Kleidung, Schmuck oder auch Honig. Der Vorteil bei lokalem Einkaufen ist die Minimierung des Exports aus anderen Ländern und die Unterstützung der Händler zu Hause.
St. Bonifaziusstraße 20, München-Giesing

 

Hofpfisterei-Filialen
Zur letzten Verkaufsstunde der Hofpfisterei , der Happy Hour, werden die tagesfrischen Brot- und Backwaren reduziert verkauft. Mit dem vergünstigtem Verkauf von Brot- und Backwaren geht das Unternehmen gegen die Lebensmittelverschwendung vor.

 

Oxfam
Die Oxfam Deutschland Shops gGmbH ist ein Tochterunternehmen von Oxfam Deutschland e.V. und eine weltweite Hilfs- und Entwicklungsorganisation für ärmere Länder. In den Shops gibt es ausschließlich gespendete Secondhand- Ware, wie Kleidung, Bücher, Spielzeug, Haushaltsgegenstände und vieles mehr zu kaufen. Betrieben wird das ganze von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Der Gewinn der Produkte kommt der Nothilfe, den Entwicklungsprojekten, sowie der Kampagnenarbeit von Oxfam Deutschland e.V. zugute.
Fürstenfelder Straße 7, Altstadt

 

Stand 2019

Titelfoto: Bild von RitaE auf Pixabay 
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